| Uriel Orlow *1973, lebt in London 2006 >> 6:15 min, Ton, Farbe |
Eine hochschwangere Frau sitzt schweigend in einem Korbsessel und hört den Sirenen zu, die von außen in den karg eingerichteten Raum eindringen. Die Bilder enthalten zunächst keinen konkreten Hinweis auf den Ort, an dem sie sich befindet. In der folgenden Sequenz beginnt die Frau indessen ihre Geschichte zu erzählen. In hebräischer Sprache berichtet sie von Israel und dem Entschluss, ihre Heimat zu verlassen, um mit ihrem Mann in der Schweiz zu leben. Trotz der emotionslosen Erzählweise, die den Betrachter auf Distanz hält, offenbart die Frau einen selbstreflexiven Blick auf ihre Situation. Descent ist die wörtliche Übersetzung des hebräischen Worts für Emigration – ›Yerida‹ – ins Englische. Deren begleitende Probleme wie etwa Identitätsfindung, Angst und Sehnsucht zeigt Uriel Orlows Video in authentischer Weise. Am meisten vermisse sie das Meer und den freien Blick auf den Horizont, sagt die Frau. In der letzten Einstellung wird eben dieser hinter einem See fokussiert und von Bergen versperrt. Den Grenzen, die in Israel zu überwinden sind, stellen sich in der Fremde neue entgegen. Die Entwurzelung und der Verlust der Heimat sind der Preis für ein neues Leben, das auch im Bauch der Frau entsteht. [PLL] |