*1972 in Düsseldorf D, lebt in Amsterdam NL
1996-2002 Staatliche Hochschule für Bildende Künste Städelschule, Frankfurt D
Ausstellungen [Auswahl]
2008 Vertrautes Terrain, ZKM Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe D
All-Inclusive A Tourist World, Schirn Kunsthalle, Frankfurt D
2007 PLUS-Vordemberge-Gildewart, NKV, Museum Wiesbaden, D
2004 dynamo.eintracht, Dresdner Bank, Frankfurt D [S]
The Mad Masters
Sascha Pohle bezieht sich mit dem Titel seiner Videoarbeit The Mad Masters auf den ethnographischen Dokumentarfilm Les Maitres fous [1955] von Jean Rouch. Dieser zeigt eine Zeremonie des westafrikanischen Hauka-Kults, bei den Personen während eines Trance-Zustands von Protagonisten der Kolonialherrschaft besessen werden. Pohle dokumentiert mit The Mad Masters die "Besessenheit" der Teilnehmer eines Look-a-like Contests in Las Vegas. Ihre Imitation von Prominenten vermittelt unfreiwillige Komik durch die Ernsthaftigkeit und Selbstsicherheit, mit der sie auftreten. Die Nachahmungen der Doppelgänger verdeutlichen, wie die Medien den Charakter prominenter Pers?nlichkeiten ausformen. Mit diesem Stilmittel spielt Pohle, wenn er das Kylie Minogue-Double in einem kargen Treppenhaus für sich singen lässt und den Ton abdreht. Andere Doubles geben in Interviews preis, wie die Medien sie beeinflussen und wie gut sie ihr Vorbild zu kennen meinen. Die Kopie von Jack Nicholson hingegen äußert Zweifel, nicht nur an den von den Medien vermittelten Informationen, sondern an der Echtheit der Prominenten: Schauspieler und Politiker sind auch als Medienbilder stilisiert und maskenhaft. Die im ersten Moment lächerlich wirkende Diskrepanz zwischen der Kopie und dem Original veranlasst den Betrachter zum Nachdenken über "Originale" und deren Authentizität. Das Wiedererkennen weicht der Einsicht, dass das von den Medien vermittelte Bild eine konstruierte Realität wiedergibt und wie sehr diese unsere Wahrnehmung lenkt.
Marcella Steymans