Rodney Place

Angels of Stealth 22., 24. und 26. Oktober 2010, im Kunstmuseum Bonn

Angels of Stealth - das sind Engel der List, der Heimlichkeit, der Schläue, und im militärischen Sinne "die mit der Tarnkappe", die Unsichtbaren. Angels of Stealth - so nennt der südafrikanische Künstler Rodney Place sein Multi-Media-Projekt, das entscheidend durch die Mitarbeit vieler junger Künstlerinnen lebt: Sie agieren als Tänzerinnen und Performerinnen, Schauspielerinnen, Musikerinnen oder Models.

 

Die Stücke greifen die persönlichen Biografien der Darstellerinnen auf und inszenieren deren Bestrebungen, sich in einer sozialpolitisch wandelnden Gesellschaft zu etablieren. Das übergreifende Thema behandelt die Schwierigkeit der Suche nach der eigenen Rolle in der Gesellschaft unter der Prämisse der Freiheit, sich einerseits den Lebensmittelpunkt, andererseits sein Handeln frei wählen zu können. Für die sich aus diesem Prozeß ergebenden Folgen für junge Frauen findet Angels of Stealth Bilder. Da die historischen Wahrheiten nicht mehr existieren, sind für die Frauen Träume, persönliche Ziele, Fragen des Geschlechts, der Religion, der Ausbildung, der beruflichen Chancen und vieles mehr nicht mehr in der tradierten Form gültig. Man muß sein Leben neu erfinden. Wie dieses neue Lebenskonzept aussehen könnte, eben darum geht es in der Arbeit von Rodney Place.

 

Rodney Place ist dabei in erster Linie Regisseur und Choreograf, gelegentlich tritt er auch selbst als Conférencier oder Kellner auf. Jedesmal werden Live Performances von leicht bekleideten oder nackten Tänzerinnen mit zuvor aufgenommenen Videosequenzen kombiniert, und an wechselnden Orten - im Theater, im Hotel oder im Museum - als temporäre Publikumsveranstaltung gezeigt.

Angels of Stealth ist als vierdimensionales Projekt ein work-in-progress, das flexibel auf verschiedene Orte und Rezeptionsbedingungen reagieren kann. Rodney Place hat vier Jahre lang in Warschau die verschiedenen Gegensätze erleben können, die in Europa auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene existieren. Er baut Brücken zwischen seinem Geburtsland Südafrika und dem Rest der Welt – das Projekt Angels of Stealth bezieht sich auf Andy Warhol und das Chelsea Hotel in New York, auf die Geschichte der Performance-Kunst von Marina Abramovic bis Ulrike Rosenbach, es mischt Reflexionen, die nicht spezifisch ortsgebunden sind, sondern über die jeder Mensch von Zeit zu Zeit nachdenkt: die Frage nach dem eigenen Platz in der Welt.

 

Angels of Stealth ist ein europäisches Projekt zwischen Ost und West, das sich mit den Herausforderungen beschäftigt, auf die das neue, nach Osten erweiterte Europa eine Antwort finden muss. Rodney Place, ein Außenstehender, der schon auf fast allen Kontinenten gelebt hat, nimmt mit besonderer Schärfe das für den Osten Europas noch neue Dilemma wahr: Die Suche nach der eigenen Rolle in einer multioptionalen globalisierten Welt. 

Was Rodney Place als Beobachter von außen beschreibt, ist der Verlauf von Verhandlungen, die jeder Beteiligte dieses gesamteuropäischen New Deal für sich selbst und sein Leben führen muss. Die Folgen des Zusammenbruchs des Kommunismus in Osteuropa haben sich teilweise mit den Folgen der Globalisierung verbunden und dadurch potenziert, und somit zu einer Situation geführt, die für die wagemutigen Mitglieder der jungen Generation auch zu vorher nicht vorstellbaren Chancen führt – die Älteren und die Zaghaften dagegen werden abgehängt.

Das Projekt der Videonale im Kunstmuseum Bonn wird kuratiert von Georg Elben.
Rodney Place, geboren 1952 in Johannesburg, hat in den 1970er Jahren an der Architectural Association in London studiert und in über 20 Ländern gearbeitet, wo er seine Bilder, Skulpturen und Choreografien in verschiedenen Zusammenhängen gezeigt hat, u.a. beim Adelaide Festival (1996); dem World Wide Video Festival, Amsterdam (2001); Dakar (2002) und Havana Biennale (2003); Dance Umbrella Festival, Johannesburg (2004); Temps d’Images Festival, La Ferme du Buisson, Paris, CCA, Warschau, Hayward Gallery, London, Centre Pompidou, Paris (2005); Mori Art Museum, Tokyo (2006).

Die präsentierten Szenen:

“Angels -  Foreign Affair”
Leila Anderson kommt aus Südafrika, aber ihre Urgroßmutter hat zum inneren Kreis von Leo Trotzki gehört, bevor sie vor Stalins Säuberungen floh und sich in Südafrika niederließ. Sie spricht  - kaum bekleidet und nur schemenhaft zu sehen - hinter einer halbtransparenten Glasscheibe mit dem darauf sichtbaren Foto des Revolutionärs als alter Mann.

 

“Angels -  The Editor “ 
Iva Paneva ist eine bulgarische Schauspielerin, Salsatänzerin und halbprofessionelle Bogenschützin, die echte Pfeile auf einen im Untergeschoss des Museums aufgehängten Sandsack schießt. Auf den Sandsack wird gleichzeitig ein Video projiziert, das die Schützin in voller Lebensgröße zeigt, wie sie Rodney Place, dem Oberkellner in diesem zehnminütigen Stück, eine Lektion im Sambatanzen gibt. Die Agression und formale Schönheit beim Bogenschießen verbindet sich mit Schönheit und Erotik des südamerikanischen Tanzes wie zwei Seiten einer Medallie.

 

“Angels -  Knights D´Amour”
Diese Videoskulptur besteht aus einer Projektion auf eine frei hängende Rüstung. Sie behandelt Teile der Geschichte eines imaginären Landes als eine Mischung von Soldaten- und Stripteaseshow als Verkörperungen von Sieger und Besiegte. Der Mythos der „starken Frau“ , ihre Weiblichkeit und die Panzerung des „starken Mannes“ stehen einander gegenüber, werden aufeinander projiziert, sie überlagern und verdrängen sich - ein episches Remake von Krieg und Frieden.

 

Wann:
Freitag, 22. Oktober 2010 20 Uhr (Einführung von Georg Elben)
Sonntag, 24.Oktober 2010 15 Uhr (mit anschließendem Künstlergespräch)
Dienstag, 26.Oktober 2010 20 Uhr
 

 
 
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