September 2010
Mittwoch, 08. September 2010, 19 Uhr im Auditorium des Kunstmuseum Bonn. Eintritt frei!
Seit Ende der Achtziger spielt das Medium Video eine Rolle in der zeitgenössischen Kunst Indonesiens. Die Pioniere Krisna Murti, Teguh Ostentrik und Heri Dono experimentierten damals mit Video, um das kreative Spektrum ihrer multidisziplinären Installationen zu erweitern. Allerdings ist der Gebrauch von Video kein Ergebnis einer künstlerischen Praxis, vielmehr handelt es sich um eine kritische Auseinandersetzung mit der Unterhaltungs- und vor allem mit der Fernsehindustrie.
Während Suhartos Diktatur (1967-1998) gab es einen Fernsehsender, Televisi Republik Indonesia, der von der Regierung manipuliert und kontrolliert wurde. Ende Achtzigern und Anfang Neunzigern, Dank des wirtschaftlichen Wachstums, vermehrten sich die Unterhaltungsangebote sowohl durch weitere Fernsehsender, wie RCTI (1989), SCTV (1990), TPI (1991) und INDOSIAR (1994), als auch durch Kabelfernsehen und Videotheken. Das Heimkino und die größere Auswahl an Fernsehprogrammen wurden zu Alternativen zum einheitlichen staatlichen Angebot.
Ende der Neunziger, und vor allem 1998, wird das Medium Video als Instrument einer kritischen Auseinandersetzung mit staatlichen Gegebenheiten, die das indonesische Volk nicht mehr akzeptieren wollte. Diese Videos ohne jeglichen künstlerischen Anspruch wurden zu Zeugen der damaligen Situation des Landes. Der Einsatz von audiovisuellen Medien ist eine Antwort auf einen konkreten gesellschaftlichen und politischen Kontext. Heutzutage gehören audiovisuelle Medien jedoch zu einen bestimmten Lebensstil und bewegte Bilder im Internet, in Mobilfunkgeräten als auch im Fernseher werden in unserem Alltag integriert.
Die ersten Videokunstarbeiten von Nam June Paik waren eine Reaktion auf die Bilderflut und die Massenmanipulation der Fernsehindustrie. In Indonesien ist der Kontext ähnlich wie Paiks, obwohl das Video erst Ende der Achtziger in die Kunstszene eingeführt wurde. Diese Entwicklung unterscheidet sich von Paiks, indem die Benutzung des Videos nicht innerhalb einer künstlerischen Bewegung oder einer bestimmten Avantgarde entstand. Die Verwendung von audiovisuellen Medien in Indonesien taucht in einem alltäglichen Kontext auf und hat in der Regel politische und soziale Hintergründe.
Inhalt des Vortrags:
Über eine geschichtliche Einführung hinaus, will der Vortrag einen Einblick in die Künstlerinitiativen geben, die sich mit der Recherche, Dokumentation und Verbreitung der Nutzung des Mediums Video beschäftigen: Forum Lenteng, ruangrupa (in Jakarta); Kampung Halaman, VideoBattle (in Yogyakarta); VideoLab und Videobabes (in Bandung).
Schwerpunkt des Vortrages ist ruangrupas Videokunst Festival OK. Video, und die Künstlerinitiative Forum Lenteng, welche 2003 von Hafiz, einem Mitbegründer von ruangrupa, als erstes Archiv für die Dokumentation von und Recherche über Video gegründet wurde. Während der Konferenz werden repräsentative Arbeiten von indonesischen Videokünstlern gezeigt, u.a. die Arbeiten vom Pionier Krisna Murti, sowie bahnbrechende Arbeiten von jungen Künstlern Prilla Tania, Tintin Wulia, Nala Atmowiloto, Muhammad Akbar, Henry Foundation, Tiong Ang, Wimo Ambala Bayang und Anggun Priambodo.
Katerina Valdivia Bruch ist unabhängige Kuratorin. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre nächste Ausstellung: OK. Video - Jakarta International Video Festival. A Retrospective. läuft vom 02. September bis zum 16. Oktober im Projektraum von art and culture international e.V. in KunstBüroBerlin. Mehr Informationen: www.artatak.net
Katerina Valdivia Bruch wird gefördert durch das Kuratorenstipendium vom Goethe Institut.


