November 2006

1a18 Screening /  Lebenswelt und Politik in den Videos von Esteban Alvarez, Gustavo Romano, Gregor Passens 

1a18 Screening

Mittwoch, 29. November 2006, 19 Uhr, Auditorium des Kunstmuseums Bonn

 

Studierende der HfG Karlsruhe, Klasse: Mischa Kuball, zeigen ihre neuesten Videoarbeiten. 

Die Plattform 1a18, bestehend aus Medienkunststudenten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und Professor Mischa Kuball, zeigt aktuelle Arbeiten in Form eines Non-Stop-Screenings. Ort der Präsentation und Befragung ist das Kino.

Das Projekt 1a18 Screening setzt sich mit der Transformation von Medienkunst in den Kinosaal und auf die Kinoleinwand auseinander. Es widmet sich dabei sowohl den Möglichkeiten des Kinos als massenetablierte, kulturelle Institution als auch seinem Regelwerk der Rezeption. Aus den über 50 entstandenen Arbeiten in Form von Film, Video, Fotografie und Musik hat Georg  Elben für die Videonale eine 90 minütige Auswahl zusammengestellt.

 

Unterstützt von der 

 

und gefördert durch den

Ministerpräsidenten

des Landes Nordrhein Westfalen

 

 

Lebenswelt und Politik in den Videos von Esteban Alvarez, Gustavo Romano, Gregor Passens 

Mittwoch, 15. November 2006, 19 Uhr, Auditorium des Kunstmuseums Bonn 

 

Krisenerfahrung als Formbewusstsein. Vortrag von Johan Hartle

Der argentinische Währungscrash von 2001 bedeutete ökonomisch, politisch und kulturell einen Bruch, der sich durch die gesamte Gesellschaft zog. Eine Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung, eine Krise der parlamentarischen Institutionen, spontane Protestbewegungen, Fabrikbesetzungen und aktive Streiks waren die Folge.
Die argentinische Kunst blieb von diesen Erschütterungen nicht unberührt. Mittelbar und in subtiler Form zeichnete sich ein Bewusstsein von Aufbruch und Krise in zeitgenössischen Positionen der Videokunst ab. Neoavantgardistische Momente, das Ausgreifen ästhetischer Strategien in den sozialen Raum, die Neubestimmung der Grenze von Kunst und Leben gewonnen an Gewicht belebten damit die spannungsreiche Grenze von Kunst und Politik. Auf diese Weise f?hren sie Impulse der europäischen Neoavantgarde aus den 1960er und 1970er Jahren fort, die auch diesseits des Atlantiks zu den prägenden Ressourcen zeitgenössischer Kunstproduktion zählen.
Als besonders einschlägig treten in diesem Zusammenhang drei Videokünstler hervor, die Politik und Lebenswelt als kunstimmanente Themen reflektieren, ohne dadurch auf Agitation oder abstrakte Inhaltlichkeit zurückzufallen.
Ein ausdrücklicher Rekurs auf das Geldsystem findet sich im Video Time Bills des argentinischen Video-Künstlers Gustavo Romano, das die der Leere konventioneller Zeichen mit dem Wert der Lebenszeit überblendet und Video-Kunst als Diskurs-Motor inszeniert. Die Realisierung entleerter Zeichen in der öffentlichen Auseinandersetzung erhält damit einen sowohl geld- als auch kunsttheoretischen Unterton.
Die Arbeiten des argentinischen Video-Künstlers Esteban Alvarez dokumentieren auf ironische Weise eben dieses Pathos der klassischen Avantgarden, künstlerisch in den Alltagsraum einzugreifen. Es mischt sich mit der argentinischen Version von Religiosität und Muddling through und relativiert die Prätention ästhetischer Weltverbesserung durch radikale Formatwechsel zwischen Überhöhung und Beiläufigkeit.
In den Argentinien-Videos von Gregor Passens kehrt die Sehnsucht nach der heroischen Tat noch einmal wieder. Sie simulieren das Verpuffen des heroischen Augenblicks in der Metaphorik von Triumphbogen und Vulkanausbruch. Das Ereignis wird dabei wie der Einzelne zu einem verschwindenden Bestandteil der ästhetisierten Landschaft. Spannungslinien einer unmöglichen Möglichkeit von Kunst und Politik werden sichtbar, die auch ein poetisches Argentinien skizzieren.
Allen dreien gemeinsam ist dabei ein gebrochenes Verhältnis zu jedem ästhetisch-politischem Heroismus. Ihr politisiertes Formbewusstsein täuscht somit über eines nicht hinweg: Dass auch ihre Videokunst am Ende nur Kunst ist und politische Praxis weder ernsthaft zu stiften noch zu ersetzen vermag.

 

Unterstützt von der


und gefördert durch den
Ministerpräsidenten
des Landes Nordrhein Westfalen